Prison education in Switzerland back to near normal (EN/GE)

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Prison education in Switzerland back to near normal (English Version)

In a federally organized country like Switzerland, there are different ways and solutions how to deal with challenges. Since the penal system is a task for the cantons, the Corona Crisis in particular has shown that very different concepts have been applied to how prison education could and can be continued – or not.

In the French-speaking part of Switzerland, the majority of educational activities were completely discontinued from mid-March onwards. In prisons, where at least distance learning could take place, cooperation between prison staff and teachers worked quite well. Where the teacher was not allowed to be present in the prison itself and provide the students with teaching materials, the learning materials could be sent by e-mail to a responsible person in the prison. This person printed out the materials and distributed them to the prisoners. However, the completed worksheets were not returned to the teacher.

In the German-speaking part of Switzerland, distance learning was possible in the majority of prisons, usually also with the teachers on site, who could create the learning materials and distribute them to the prisoners. In two prisons, the lessons were continued all the time, because it was possible to distribute half of the learning group in two rooms at the same time. Or then half the group was taught every two weeks (normally the lessons take place on half a day per week during working hours).

Currently, classes have been resumed in almost all prisons, the last one will probably resume on August 10th. It is interesting to note that in the whole of French-speaking Switzerland, classes are resumed with the entire learning groups – nominally there are 6 participants – whereas in German-speaking Switzerland, classes are currently held mostly and, depending on the space available, in smaller groups of 3 – 4 participants.

In many places, Covid-19 protection concepts for teaching have been drawn up by the teachers and approved by the prison authorities. A minimum distance of 1.5 metres must be maintained so that the teacher’s desk and the participants’ tables are distributed throughout the room. Occasionally, movable elements such as paravents – to ensure a clear separation between the participants – or plexiglass screens – if the teacher has to explain something face to face (e.g. vocalization in language classes!) to the participants – are also used. An absolute exception is the compulsory wearing of masks and gloves by the teacher if he or she cannot keep the minimum distance.

But the whole system is still very fragile. These days, in one prison, a family member of a prison officer was tested positive, so that the prison management decided to shut down the facility for 10 days as it was during the general lockdown – until it is clarified whether the employee has infected himself with the virus or not …


Bildung im Strafvollzug in der Schweiz wieder nahe dem Normalzustand (Deutsche Version)

In einem föderalistisch organisierten Land wie der Schweiz gibt es verschiedene Wege und Lösungen, wie mit Herausforderungen umgegangen wird. Da der Strafvollzug eine Aufgabe der Kantone ist, zeigte sich gerade auch in der Corona-Krise, dass ganz verschiedene Konzepte zur Anwendung gelangten, wie die Bildung im Strafvollzug weitergeführt werden konnte und kann – oder eben nicht.

In der französischen Schweiz wurde der Bildungsbetrieb mehrheitlich vollständig eingestellt. In den Gefängnissen, in denen wenigstens der Fernunterricht stattfinden konnte, klappte die Zusammenarbeit zwischen dem Gefängnispersonal und den Lehrpersonen sehr gut. Wo die Lehrperson nicht selber im Gefängnis präsent sein und die Bildungsteilnehmer mit Unterrichtsmaterial versorgen durfte, konnten die Lernmaterialien per E-Mail an eine zuständige Person im Gefängnis geschickt werden. Diese druckte die Unterlagen aus und verteilte sie an die Gefangenen. Allerdings gingen die ausgefüllten Arbeitsblätter nicht an die Lehrperson zurück.

In der deutschen Schweiz war in der Mehrheit der Gefängnisse Fernunterricht möglich, meist auch mit der Lehrperson vor Ort, die die Lernmaterialien kreieren und an die Bildungsteilnehmer verteilen konnte. In zwei Gefängnisse wurde der Unterricht die ganze Zeit über weitergeführt, weil es die Räumlichkeiten zuliessen gleichzeitig je die halbe Lerngruppe auf zwei Zimmer zu verteilen. Oder dann wurde jeweils die halbe Gruppe alle zwei Wochen unterrichtet (Normalerweise findet der Unterricht an einem halben Tag pro Woche während der Arbeitszeit statt).

Aktuell wurde der Unterricht in fast allen Gefängnissen wieder aufgenommen, im letzten wird der Unterricht voraussichtlich am 10. August wieder aufgenommen. Interessant ist, dass in der ganzen französischen Schweiz der Unterricht mit den ganzen Lerngruppen – nominell sind das 6 Teilnehmer – wieder aufgenommen wird, während in deutschen Schweiz, der Unterricht aktuell vornehmlich und je nach den räumlichen Gegebenheiten in kleineren Gruppen mit 3 – 4 Teilnehmern stattfindet.

Vielerorts wurden von den Lehrpersonen Covid-19-Schutzkonzepte für den Unterricht erstellt, die von den Vollzugseinrichtungen genehmigt wurden. Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden, so dass das Lehrerpult und die Tische der Teilnehmer im Raum verteilt aufgestellt werden. Vereinzelt kommen auch mobile Vorrichtungen wie Paravents – um eine räumliche Trennung zwischen den Teilnehmern zu gewährleisten – oder Plexiglaswände – wenn die Lehrperson den Teilnehmern etwas face to face (Lautbildung im Sprachunterricht) erklären muss – zur Anwendung. Eine absolute Ausnahme bildet die Masken- und Handschuhpflicht für die Lehrperson, wenn sie den Mindestabstand nicht einhalten können.

Noch immer ist das Ganze aber ein sehr fragiles System. In einem Gefängnis wurde dieser Tage ein Familienangehöriger eines Gefängnisaufsehers positiv getestet, so dass die Gefängnisleitung entschied, den Betrieb für 10 Tage wieder so herunterzufahren wie zu Zeiten des allgemeinen Lockdowns – solange bis geklärt ist, ob sich der Angestellte selber mit dem Virus angesteckt hat oder nicht …’

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