School in prison – “Four months to teach three letters” [EN/GE]

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“Der Schweizrische Beobachter – Published on 28 May 2024 – 06:00′

Some inmates don’t even know the alphabet. But every little success motivates him.

My working day begins when I walk through the prison gates. I carry a security phone and a large bunch of keys with me when I walk through the two gates of Zurich’s Pöschwies prison at seven in the morning.
The path leads me into a reality that most people only know from crime thrillers. Some of the detainees greet me with a brief “hello”.’

Some inmates don’t even know the alphabet. But every little success motivates him.
My working day begins when I walk through the prison gates. I carry a security phone and a large bunch of keys with me when I walk through the two gates of Zurich’s Pöschwies prison at seven in the morning.
The path leads me into a reality that most people only know from crime thrillers. Some of the detainees greet me with a brief “hello”.

Education as a positive escape from everyday life
I teach general education at Pöschwies. This includes vocational school lessons for inmates who are aiming to complete an apprenticeship.

I also work for the Swiss Competence Centre for the Prison System as co-regional head of “Education in the Prison System”. Together with the prisons, I organise and coordinate the education on offer in various prisons in Eastern Switzerland.

As a teacher, I not only want to impart knowledge to people in prison, but also give them back a bit of normality. For many of them, education means an escape from everyday life – in the sense of a welcome distraction.
The classroom is a free space where they can “be” without judgement – they don’t have to be afraid that what they say will end up in an enforcement report.
Volunteering at school

The first students enter the room shortly before eight. They take part in the lessons voluntarily, as many of them are looking for a new perspective. At primary school, students are prepared for working life. At Pöschwies, I try to prepare them in practical ways for life after prison. Filling out tax returns and contracts, things like that.
« I prepare people in prison for life afterwards – for for tax returns and contracts, for example. »

In contrast to vocational schools, the level of education in the prison system varies. They range from illiterates to university graduates, with the majority having hardly any school experience. For me, even in small classes of two to three pupils, it’s energy-consuming.

It once took me four months to teach a student three letters. But slow learning success is not a problem for me. The man was an illegal immigrant, he had massive reading and writing difficulties and a damaged brain due to drug abuse.
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We teachers in prison often come across people who take strong medication and generally have a low learning capacity. Many suffer from a mental illness, in addition to the loss of freedom, the processing of their offence, the separation from family and friends. And possibly conflicts in prison or an outstanding court judgement.

My aim is to foster the ability of detainees to keep focussed despite these challenges. Sometimes it is “only” a matter of conserving their mental abilities. Long-term prisoners receive little stimulation and miss out on important social developments, which makes our educational work all the more important.

A fine line for sensitive topics
I once discussed the feminist strike day with participants. Most of them thought gender equality was important. I realised that I was discussing the topic with men who had committed serious offences against women.

In this job, you have to keep your distance and be able to abstract. When I have people in class who have committed sex crimes or are paedophile, I don’t exactly discuss forms of family coexistence.

« There are older prisoners who have never owned a smartphone. »

Technology is also a key issue: there are older prisoners who have never owned a smartphone. For a few months now, we have been using iPads in our prison education programme to prepare prisoners for the digital world of work.
99 per cent of them are reintegrated into society. The high level of digitalisation poses a particular challenge for them.

No “cuddly justice”

Incidentally, I am not driven by the helper syndrome, but am fulfilling a state duty. Education reduces the recidivism rate and enables self-reflection, which can bring about positive changes in the prison system.

Even under social pressure – such as criticism of the alleged “cuddly justice system” – we pursue the goal of reintegration. Sometimes I invest a lot of time in participants’ educational goals, only to suddenly lose them due to transfers or sanctions – that can be frustrating. The great gratitude that some students show me is very rewarding.

Recorded by Jenny Keller
Der Schweizerische Beobachter, Zofingen Switzerland.

Translated by EPEA with DeepL


Schule im Gefängnis – «Vier Monate, um drei Buchstaben beizubringen»

Der Beobachter – Veröffentlicht am 28. Mai 2024 – 06:00 Uhr
Manche Inhaftierten kennen nicht mal das Alphabet. Doch jeder kleine Erfolg motiviert ihn.
Fehler! Es wurde kein Dateiname angegeben.

Mein Arbeitstag beginnt mit dem Durchschreiten der Gefängnistore. Ich trage ein Sicherheitstelefon und einen grossen Schlüsselbund bei mir, wenn ich um sieben Uhr morgens durch die beiden Schleusen der Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies gehe.

Der Weg führt mich in eine Realität, die die meisten Leute nur aus Krimis kennen. Einige der inhaftierten Personen grüssen mich mit einem kurzen «Hallo».

Bildung als positive Flucht aus dem Alltag
Ich unterrichte Allgemeinbildung in der Pöschwies. Das umfasst den Berufsschulunterricht für Inhaftierte, die einen Lehrabschluss anstreben.

Zudem arbeite ich für das Schweizerische Kompetenzzentrum für den Justizvollzug als Co-Regionalleiter für «Bildung im Strafvollzug». Zusammen mit den Gefängnissen organisiere und koordiniere ich das Bildungsangebot in verschiedenen Ostschweizer Strafanstalten.

Als Lehrperson möchte ich den Menschen in Haft nicht nur Wissen vermitteln, sondern ihnen ein Stück Normalität zurückgeben. Bildung bedeutet für viele von ihnen eine Flucht aus dem Alltag – im Sinne einer gern gesehenen Ablenkung.

Das Klassenzimmer ist ein Freiraum, in dem sie ohne Bewertung «sein» können – sie müssen keine Angst haben, dass das, was sie sagen, in einem Vollzugsbericht landet.

Freiwillig in der Schule
Kurz vor acht betreten die ersten Schüler den Raum. Sie nehmen freiwillig am Unterricht teil, denn viele wünschen sich eine neue Perspektive. In der Volksschule werden Schüler auf das Berufsleben vorbereitet. In der Pöschwies versuche ich, sie in praktischen Dingen auf das Leben nach der Haft vorzubereiten. Steuererklärungen und Verträge ausfüllen, solche Sachen.

«Ich bereite die Menschen in Haft auf das Leben danach vor –
etwa auf Steuererklärungen und Verträge.»

Das Bildungsniveau im Strafvollzug ist im Gegensatz zur Berufsschule unterschiedlich. Von Analphabeten bis zu Uni-Absolventen ist alles dabei, wobei die Mehrheit kaum Schulerfahrung hat. Für mich ist das selbst in kleinen Klassen von zwei bis drei Schülern energieaufwendig.

Ich brauchte einmal vier Monate, um einem inhaftierten Schüler drei Buchstaben beizubringen. Doch langsamer Lernerfolg ist kein Problem für mich. Der Mann war Illetrist, hatte also eine massive Lese- und Schreibschwäche und ein drogengeschädigtes Hirn.

Fehler! Es wurde kein Dateiname angegeben.

Klassenzimmer hinter dicken Mauern: Lehrer Zeno D’Aulerio vor der Pöschwies. Quelle: Christian Schnur
Wir Lehrpersonen im Vollzug treffen oft auf Menschen, die starke Medikamente nehmen und wenig Aufnahmekapazität haben. Viele leiden an einer psychischen Krankheit, dazu kommen der Verlust der Freiheit, die Verarbeitung ihrer Tat, die Trennung von Familie und Freunden. Und womöglich Konflikte im Gefängnis oder ein ausstehendes Gerichtsurteil.
Mein Ziel ist es, die Konzentration der inhaftierten Personen trotz dieser Herausforderungen zu fördern. Manchmal geht es «nur» darum, ihre geistigen Fähigkeiten zu erhalten. Langzeithäftlinge erhalten wenige Impulse und verpassen wichtige gesellschaftliche Entwicklungen, was unsere Bildungsarbeit umso bedeutender macht.

Schmaler Grat bei heiklen Themen
Einmal diskutierte ich mit Teilnehmern den feministischen Streiktag. Die meisten von ihnen hielten die Gleichstellung der Geschlechter für wichtig. Ich realisierte, dass ich das Thema gerade mit Männern besprach, die schwere Delikte an Frauen verübt hatten.

In diesem Job musst du Distanz wahren und abstrahieren können. Wenn ich Leute im Unterricht habe, die Sexualverbrechen begangen haben oder pädophil sind, thematisiere ich nicht gerade Formen des familiären Zusammenlebens.

«Es gibt ältere Gefangene, die noch nie ein Smartphone besessen haben.»
Kritisch ist auch das Thema Technologie: Es gibt ältere Gefangene, die noch nie ein Smartphone besessen haben. Seit ein paar Monaten nutzen wir in der Bildung im Strafvollzug nun iPads im Unterricht, um die Personen in Haft auf die digitale Arbeitswelt vorzubereiten.

99 Prozent von ihnen werden wieder in die Gesellschaft integriert. Für sie stellt die hohe Digitalisierung eine besondere Herausforderung dar.

Keine «Kuscheljustiz»
Ich bin übrigens nicht vom Helfersyndrom getrieben, sondern erfülle eine staatliche Pflicht. Bildung verringert die Rückfallquote und ermöglicht Selbstreflexion, was positive Veränderungen im Strafvollzug bewirken kann.

Auch unter gesellschaftlichem Druck – wie Kritik an der angeblichen «Kuscheljustiz» – verfolgen wir das Ziel der Reintegration. Manchmal investiere ich viel Zeit in Bildungsziele der Teilnehmer, nur um sie plötzlich durch Verlegungen oder Sanktionen zu verlieren – das kann frustrierend sein. Die grosse Dankbarkeit, die mir manche Schüler entgegenbringen, ist dafür sehr sinnstiftend.

Aufgezeichnet von Jenny Keller
Der Schweizerische Beobachter, Zofingen Schweiz.