The Corona Crisis demands everything from us (EN/DE)

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By THOMAS WÜTHRICH, Switzerland, EPEA Regional Representative Cental Region.

“I was so happy when I could at least teach my students again individually although only behind a separating screen. After weeks without direct contact, it was like a release from a nightmare.” The emotions of my colleague in a small Swiss prison still touch me weeks later. The Corona Crisis demands everything from us teachers. We would never have dreamed that our everyday life would change so dramatically from one moment to the other. We were challenged, on a technical level, professionally and emotionally. As we learned in the EPEA webinars, the vast majority of teachers was and is banned from prisons. They had and have no possibility to get in contact with “their” students. Teaching lives to a large extent from the direct interaction between the teacher and the students. And all of a sudden all connections were cut off at once. We felt helplessness, concern for the students, almost desperation, unable to contact them anymore.

But all over Europe, teachers were soon looking for ways and means to continue teaching the prisoners. Distance learning in various forms was set up: via Skype or the TV channel of the correctional facility. The inmates were supplied with specific teaching materials developed by the teachers, either by mail or by e-mail, always with the support of the prison management and/or prison staff. Moreover, in some cases, direct dialogue between teachers and students was made possible, which had been unsuccessfully proposed for years.

To the regret of us all, however, our educational mission cannot be fulfilled in large parts of Europe. Many teachers will probably not be able to start teaching until autumn. While in the primary and secondary schools of some European countries lessons are taking place again, in education in the prison system everything is moving only in small steps – if at all. Unfortunately.

The crisis shows us how important it is to have strong relationships with and within prisons. Where cooperation was already good before and the prison administration itself considers education to be an important component of penitentiary care, solutions in favour of the inmates were possible. Solutions that were realized by the teachers with a great wealth of ideas, but also with a lot of commitment and heart. It also became clear, however, that we as teachers must represent our conviction about the importance of education in the prison system even more and even more clearly in the everyday life of the institution. Finally, it became clear that educational platforms to which inmates can have access at any time and onto which teachers can upload teaching material even from outside the prison walls are an essential requirement. In all these points, the EPEA in particular is challenged. However, digitalisation can never be a substitute for face-to-face teaching, but should complement and enrich it. Because teaching is to a large extent relationship work. And we are strong and competent in this.


German

«Ich war so glücklich, als ich meine Schüler wenigstens wieder einzeln unterrichten konnte, wenn auch nur hinter einer Trennscheibe. Nach Wochen ohne direkten Kontakt war es wie eine Befreiung aus einem Albtraum.» Die Emotionen der Kollegin in einem kleinen Schweizer Gefängnis bewegen mich noch Wochen später. Die Corona-Krise fordert uns Lehrpersonen alles ab. Nie hätten wir uns träumen lassen, dass sich unser Alltag von einem auf den andern Moment so dramatisch ändert. Wir waren gefordert, auf technischer Ebene, fachlich und emotional. Wie wir in den Webinars der EPEA erfahren konnten, war und ist die grosse Mehrheit der Lehrpersonen aus den Gefängnissen verbannt. Sie hatten und haben keine Möglichkeiten mit «ihren» Bildungsteilnehmern in Kontakt zu treten. Unterrichten lebt zu einem grossen Teil von der unmittelbaren Beziehung zwischen der Lehrperson und den Schülern. Und plötzlich waren alle Beziehungen auf einen Schlag gekappt. Wir spürten Ratlosigkeit, Sorge um die Schüler, ja schon fast Verzweiflung, sie nicht mehr kontaktieren zu können.

Doch europaweit suchten die Lehrpersonen schon bald Mittel und Wege, wie sie die Gefangenen weiter unterrichten konnten. Distance learning in verschiedensten Formen wurde eingerichtet: über Skype oder den Fernsehkanal der Vollzugsreinrichtung. Die Insassen wurden mit von den Lehrpersonen erarbeiteten, spezifischen Unterrichtsmaterialien beliefert, sei es per Post oder per e-mail, immer mit Unterstützung der Gefängnisleitung und/oder des Gefängnispersonals. Ja in Einzelfällen wurde eine direkte Kommunikation zwischen Lehrperson und Bildungsteilnehmern ermöglicht, die vorher während Jahren vergeblich angeregt worden war.

Zu unser aller Bedauern kann aber in weiten Teilen Europas unser Bildungsauftrag nicht wahrgenommen werden. Viele Lehrpersonen werden wohl erst im Herbst ihre Unterrichtstätigkeit aufnehmen können. Während in den Volksschulen einiger europäischer Länder der Unterricht wieder stattfindet, bewegt sich in der Bildung im Strafvollzug alles nur in kleinen Schritten – wenn überhaupt. Leider.

Die Krise zeigt uns, wie wichtig, tragfähige Beziehungen zu und in den Gefängnissen sind. Dort wo die Zusammenarbeit schon vorher gut war und die Gefängnisadministration selber Bildung als eine wichtige Komponente des Strafvollzugs erachtet, waren Lösungen zugunsten der Insassen möglich. Lösungen die von den Lehrpersonen mit grossem Ideenreichtum, aber auch mit viel Engagement und Herz realisiert werden konnten. Es wurde aber auch deutlich, dass wir Lehrpersonen unsere Überzeugung über die Bedeutung der Bildung im Strafvollzug noch mehr und noch stärker im Vollzugsalltag vertreten müssen. Schliesslich wurde klar, dass Lernplattformen, auf die die Insassen jederzeit Zugriff haben können und auf die die Lehrpersonen Unterrichtsmaterial auch von ausserhalb der Gefängnismauern hochladen können, ein Gebot der Stunde sind. In all diesen Punkten ist gerade auch die EPEA gefordert. Die Digitalisierung kann aber nie ein Ersatz für den Präsenzunterricht sein, sondern soll diesen ergänzen und bereichern. Denn Unterrichten ist zu einem wesentlichen Teil Beziehungsarbeit. Und darin sind wir stark und kompetent.

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